Lehrerverband fordert ein Ende der Sprachbarbarei

Am 21.Februar verkündete der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, anlässlich des Internationalen Tags der Muttersprache, welche die UNESCO jährlich ausruft: „ keine andere Nation geht schulisch mit der ihrer Muttersprache um, wie die deutsche“. Während die meisten Länder darauf Wert legen, dass die Landessprache rund ein Viertel des Gesamtunterrichts ausmacht, sei es in Deutschland derzeit lediglich ein Sechstel.

Unter anderem kritisiert Kraus die Kürzung der Lehrpläne, laut seiner Aussage mache der Anteil des Deutschunterrichts nur noch 10 Prozent der Gesamtunterrichtszeit aus, welche zum Teil nur 3 Stunden Beträgt. Die Grundschulen bleiben dabei nicht verschont, innerhalb der letzten 20 Jahre wurde der Grundwortschatz von 1100 Wörtern auf 700 reduziert.  Die Messlatte so niedrig zu halten, sei vor allem für Schüler, die bei der Einschulung starke Sprachdefizite aufweisen keine große Hilfe. Indem die Schulen den Anspruch herabsetzen, ließen sich die Sprachdefizite von Risikoschülern nicht beheben, ganz im Gegenteil. Häufig sind die Pädagogen damit beschäftigt das Wissen der Schulanfänger zu nivellieren.

Josef Kraus kritisiert, dass „ Bildung nicht mehr als kultureller Akt verstanden wird, sondern als reine Informationsentnahme“. Der Schwerpunkt bei Deutschtests sei auf Multiple-Choice-Fragen ausgerichtet und anstatt das mit Ganzschriften gearbeitet wird, stehen Lückentexte an der Tagesordnung. „Heute geht es um  Download-Knowledge und Just-in-Time-Knowledge, statt um vertiefte Allgemeinbildung“. Heute reicht es aus, dass Schüler die Texte einfach nur verstehen, anstatt Sie mit literarischen Texten wie Lessings „Nathan der Weise“  zum Denken anzuregen.

Die Vermittlung vertiefter Allgemeinbildung steht nicht mehr im Fokus der Bildungspolitiker, das neue Stichwort ist Kompetenzorientierung. Nach dem schlechten Abschneiden beim Pisa-Test wurde von der Bildungspolitik jede bis dahin gültige Ansicht, was auf dem Lehrplan stehen soll in Frage gestellt. Das Resultat davon war, das “Pisa-mäßige durchstylen“ der Lehrpläne und neue Anforderungen für das Lehrpersonal,  was dann vermutlich zum jetzigen Qualitätsverlust geführt hat.

Die Vorschrift von Grammatikübungen sowie konkrete Literaturempfehlungen werden von den Kultusministerien nicht mehr ausgesprochen. Heutzutage sollen Schüler z.B. lernen Informationen zu beschaffen und zu einem ausgewählten Thema stichwortartig Ihre Ergebnisse vortragen. Schulen und Lehrern werden durch die neuen Kernlernpläne deutlich mehr Freiheiten eingeräumt, es gibt allerdings auch keine deutlichen Vorgaben, wie der Unterricht sich gestalten soll.  Statt eines Literaturkanons haben die Lehrer nun eigentlich nur eine Vorgabe, Schüler sollen „Download-Kompetenzen“ erwerben.  Wie Pädagogen mit dieser Empfehlung umgehen und wie sie diese umsetzen liegt dabei alleine in ihrer Hand.

Für Josef Kraus ist eines klar, diese Entwicklung steht im Gegensatz zu den Aufgaben einer Schule, und zwar, Schüler zu urteilfähigen Menschen heranzuziehen. „ Wer nichts weiß, muss alles glauben“.



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